Flüssiger Stickstoff (LN2) hat eine Temperatur von -196°C. Bei Hautkontakt verursacht er innerhalb von Sekundenbruchteilen schwere Kälteverbrennungen, die in ihrer Schwere mit Verbrühungen durch kochendes Wasser vergleichbar sind. Spritzer in die Augen können zu dauerhaften Schäden führen, und selbst der bloße Kontakt mit Metalloberflächen, die auf kryogene Temperaturen abgekühlt sind, kann zu sofortigem Festfrieren der Haut führen.
Trotz dieser erheblichen Gefahren wird die persönliche Schutzausrüstung (PSA) in vielen Laboren nachlässig behandelt. Laborkittel anstelle von Kryoschürzen, dünne Latexhandschuhe statt isolierter Kryohandschuhe, keine Gesichtsvisiere – solche Nachlässigkeiten können schwerwiegende Konsequenzen haben.
In diesem Beitrag erläutern wir die wesentlichen Elemente der persönlichen Schutzausrüstung für die Arbeit mit Kryotechnik und flüssigem Stickstoff und geben praktische Empfehlungen für die sichere Laborpraxis.
Beim Umfüllen von flüssigem Stickstoff aus einem Stickstoffbehälter in einen Kryotank oder beim Befüllen eines Dry Shippers besteht stets die Gefahr von Spritzern. Die geringe Viskosität und die Tendenz zur heftigen Verdampfung bei Kontakt mit warmen Oberflächen machen LN2 besonders unberechenbar.
Metallinstrumente, die in flüssigen Stickstoff getaucht wurden – Pinzetten, Kassetten, Racks – erreichen sofort kryogene Temperaturen. Bei Berührung mit ungeschützter Haut friert diese binnen Millisekunden an der Metalloberfläche fest. Das Loslösen führt unweigerlich zu Hautverletzungen.
Obwohl keine direkte Verletzung, ist die Sauerstoffverdrängung durch verdampfenden Stickstoff eine lebensbedrohliche Gefahr, der nicht durch PSA, sondern durch Sauerstoffüberwachung und Belüftung begegnet werden muss.
Kryohandschuhe sind die wichtigste Schutzkomponente. Sie müssen folgende Anforderungen erfüllen:
Ein Gesichtsvisier oder eine Schutzbrille mit Seitenschutz ist bei allen Umfüllvorgängen obligatorisch. Spritzer von flüssigem Stickstoff in die Augen können zu Hornhautschäden und im schlimmsten Fall zu Erblindung führen. Standardlaborbrillen ohne Seitenschutz bieten keinen ausreichenden Schutz.
Eine spezielle Kryoschürze schützt den Oberkörper und die Oberschenkel vor Spritzern. Im Idealfall ist die Schürze aus einem Material gefertigt, das LN2 nicht absorbiert, sondern abperlen lässt.
Offene Schuhe, Sandalen oder Schuhe mit Stoffoberfläche sind in einem Kryo-Labor absolut unzulässig. Geschlossene, wasserdichte Sicherheitsschuhe verhindern, dass verschütteter Stickstoff in den Schuh eindringt und dort verdampft – ein besonders tückisches Szenario, da die Verdampfung innerhalb des Schuhs zu schweren Verbrennungen führt, bevor der Betroffene reagieren kann.
Die beste Schutzausrüstung nützt wenig, wenn sie nicht korrekt verwendet wird. Regelmäßige Schulungen sind daher essenziell:
In Deutschland regeln die Berufsgenossenschaftlichen Regeln (BGR) und die Betriebssicherheitsverordnung den Umgang mit kryogenen Stoffen. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen und die notwendige PSA bereitzustellen. Die Kosten für die PSA trägt der Arbeitgeber.
Consarctic® bietet nicht nur Kryoprodukte und kryogene Anlagen, sondern berät seine Kunden auch umfassend zur Laborsicherheit. Im Rahmen unserer Consulting-Leistungen umfasst dies die Empfehlung geeigneter PSA, die Integration von Sauerstoffüberwachungssystemen und die Entwicklung laborspezifischer Sicherheitsprotokolle.
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